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Hochwasserschutz – auch kleine Renaturierungsmaßnahmen können helfen


Der Forthbach mit seinen rund 30 km Länge entspringt westlich von Langenberg in Sünninghausen bei Oelde und mündet nördlich von Bokel in den Schwalenbach, der wiederum etwas weiter nördlich in die Ems mündet. In früheren Zeiten zum Ende des 18. Jahrhunderts mäanderte der Forthbach, der damals noch „Bomker Bach“ hieß, durch die Landschaft in der Nähe von Langenberg. Wann und warum der Flusslauf in der Zwischenzeit begradigt wurde, lässt sich heute nicht mehr genau nachverfolgen. Das Ergebnis ist bekannt: ein gestreckter Flusslauf in einem tiefen, künstlichen Bachbett, begrenzt mit steilen, teilweise befestigten Uferböschungen, die dicht bewirtschaftet wurden. Die Artenvielfalt war gering, der ökologische Zustand insgesamt abträglich.

In den vergangenen Jahren wurde in Langenberg die Renaturierung und naturnahe Entwicklung eines Teils des Forthbaches vorangetrieben: Dabei wurde die Flussrinne verbreitert, das Ufer abgeflacht und eine Flussaue geschaffen, deren Gelände sich durch Strömungen und natürliche Veränderungen der umgebenden Natur selbst entwickeln kann. Die Renaturierung des Forthbaches hatte, neben den Ausgleichsmaßnahmen hinsichtlich des Baugebiets „Haselkamps Wiese“, vor allem ökologische Verbesserungen zum Ziel. Nach den Hochwassern der letzten Wochen in der Region stellt sich nun aber auch die Frage, ob und in wie weit auch der Hochwasserschutz in Langenberg eine Rolle spielt?

In Langenberg war bereits vor der Renaturierung ein Überschwemmungsgebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit eingetragen. Das bedeutete, dass Hochwasser dort alle 10 bis 20 Jahre auftreten können. Durch die Renaturierungsmaßnahme am Forthbach vergrößerte sich das Rückhaltevolumen an dieser Stelle um fast das 6-fache. Bei einem hundertjährigen Hochwasserereignis würde sich das Wasser in der gesamten Flussaue ausbreiten und trotz Überflutung der Aue ein Wasserstand unterhalb der Geländeoberkante einstellen. Damit wären Überflutungen in die angrenzenden höher liegenden Flächen auch bei einem außergewöhnlichen Hochwasserereignis nach derzeitiger Kenntnislage nicht zu erwarten.

Renaturierungsmaßnahmen unterstützen den natürlichen Hochwasserschutz und helfen, Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur zu vermeiden. Hierbei helfen auch kleinere Maßnahmen wie am Forthbach, denn durch die Summe vieler solcher Maßnahmen werden natürliche Überschwemmungsflächen geschaffen, die für die Menschen und die Infrastruktur weniger bedrohlich sind und auch flussabwärts liegende Bereiche entlasten.

Judith Lohnherr, NZO